Wörterbuch für
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Dies sind die zehn neuesten Einträge:

REDENSART BEDEUTUNG BEISPIELE ERGÄNZUNGEN
einen / den langen Schuh machen 
ÜS2
schnell verschwinden; abhauen; weggehen; fliehen "Eh, mach 'n langen Schuh. Sonst gibt's was auf die Fresse!" (derb); "Ich mach 'nen langen Schuh! Gute Nacht!"; "Am Mittwochmorgen wollte die Polizei das besetze Haus in der Johann-Sebastian-Bach-Straße in Herdern räumen. Doch als die Beamten zur Tat schreiten wollten, war das Gebäude bereits leer. Die Besetzer hatten den langen Schuh gemacht"; "Will heißen, dass meine Holde den langen Schuh machte und sich mitsamt den Kindern verdünnisierte"; "'Nachdem ich mich als Wehrführer zu erkennen gab, hat er dann versucht, einen langen Schuh zu machen.' Eine Flucht, die kurz darauf im Kiefernweg endete" umgangssprachlich, selten; Die Herkunft dieser Redensart ist nicht bekannt. Eine scherzhafte Analogiebildung zu "kürzertreten" ist denkbar. Erste schriftliche Belege finden sich in den 1990er Jahren 
Da geht es den Menschen wie den Leuten 
ÜS4
Das geht jedem so; Da machen alle die gleichen Erfahrungen "Man wird älter – da geht es den Menschen wie den Leuten"; "Wenn es um Macht und den schnöden Mammon geht, geht es den Menschen wie den Leuten"; "Die perfekte Jeans oder generell eine Jeans zu finden, die super sitzt und passt, ist immer schwer. Ich glaube, da geht es den Menschen wie den Leuten" umgangssprachlich, scherzhaft; etwa seit 1900 geläufig (Küpper []) 
ein Mantra 
ÜS4
ein oft wiederholter Glaubenssatz / Leitspruch; eine Leitidee, die nicht kritisch hinterfragt wird "Keine Steuererhöhungen - das war das Mantra der Union im Wahlkampf und in den Koalitionsverhandlungen"; "Das Mantra des positiven Denkens ist nichts für jeden"; "Der CDU-Chefin wird in der Union angelastet, mit ihrer Willkommenspolitik zum massenhaften Zustrom von Flüchtlingen beigetragen zu haben. In Ansätzen wird nun eine restriktivere Haltung erkennbar. Das 'Wir schaffen das'-Mantra hat Risse bekommen"; "Obwohl China immer darauf beharrt, einen anderen Weg zu gehen, macht die Regierung in Peking den Fehler, dem marktliberalen Mantra zu folgen"; "Dadurch soll der Nachweis gelingen, dass sowohl staatliche Behörden als auch die Naziszene schon lange vor dem Auffliegen des Zwickauer Trios im November 2011 von den NSU-Morden wussten. Das würde dem offiziellen Mantra vom unwissenden und deshalb unschuldigen Staat zuwiderlaufen" Das Wort "Mantra" stammt aus dem Sanskrit und bezeichnet im Buddhismus, Hinduismus und dem Yoga eine magische Formel, ein heiliges Wort oder Vers, das in Meditationen und bei religiösen Ritualen eingesetzt wird und z. B. Heilung oder Erlösung bewirken soll. Durch die ständige Wiederholung sollen spirituelle Kräfte freigesetzt und das Bewusstsein gestärkt werden. Bekannt wurde der Begriff in Deutschland im Zuge der Esoterikwelle und New-Age-Bewegung der 1970er Jahre und der Popularität von Yoga-Techniken und fernöstlicher und indischer Religion und Philosophie.
Im hier behandelten, übertragenen Sinn wird der Begriff oft in der Politik verwendet und erhält einen leicht negativen Charakter. Mantras werden hier verglichen mit Botschaften, die auf unbewiesenen Glaubenssätzen basieren und durch ständige Wiederholung nicht wahrer werden 
eine Schwester Rabiata 
ÜS3
Krankenschwester / Pflegerin o. ä. mit ruppigen Umgangsformen oder unsanften Behandlungsmethoden "Schwester Rabiata: Schamhaare mit Enthaarungscreme entfernt"; "Besonders scharf bewacht wurden sie von einer Furcht einflößenden Nonne, die die Kinder hinter vorgehaltener Hand 'Schwester Rabiata' nannten"; "Es folgte mit ihrer Jungfern-Büttenrede Marie-Therese Salinger als 'Schwester Rabiata', die ihren Alltag in einem eigenartigen Krankenhaus schilderte"; "Nur eine Säuglingsschwester hat mir nicht gefallen. Ich habe sie 'Schwester Rabiata' genannt. Erst mal war sie total grob zu den Kindern - hatte ich wenigstens das Gefühl, denn die anderen sind liebevoller mit den Säuglingen umgegangen" umgangssprachlich, scherzhaft; rabiat = rücksichtslos, grob, rigoros, zur Gewalttätigkeit neigend; Der Ausdruck ist seit mindestens 1990 schriftlich belegt (Schwester Rabiata, Karikaturen zum Krankenhausalltag, Freiburg 1990) 
ein Piepmatz 
ÜSL5
1. ein (kleiner) Vogel
2. Kosename für Frauen / Mädchen 
1. "Oje, der kleine Piepmatz ist aus dem Nest gefallen!"; "Der Piepmatz ist seinem Besitzer weggeflogen"; "Der Streit um den Vogelschutz ging als 'Piepmatz-Affäre' in die Geschichte ein"; "Mit der toom Selbstbau-Idee Vogelhaus 'Piepmatz' erstellen Sie kinderleicht ein Vogelhaus für Ihren Garten" umgangssprachlich, 2. selten; Die Zusammensetzung aus "piepen" und "Matz" ist seit dem frühen 19. Jahrhundert verbreitet. So findet es sich z. B. schon 1840 im Märchen "Das Leben der Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns" von Bettina von Arnim.
Das Wort "piepen" als lautmalende Nachahmung der Vogelstimme wurde im 16. Jahrhundert ins Hochdeutsche aufgenommen. Zu "Matz" siehe auch "Mätzchen
etwas / jemanden auf dem Radar haben 
ÜSL6
etwas / jemanden im Blick haben / beobachten / unter Kontrolle halten / überwachen; etwas beachten; an etwas / jemanden denken; etwas / jemanden im Sinn haben; sich für etwas / jemanden interessieren "Pass auf, ich hab dich auf dem Radar!"; "Ich würde mir wünschen, dass die Leute in den USA so gut informiert und aktiv sind wie in Deutschland. Aber die meisten hier haben TTIP nicht auf dem Radar"; "FC Kaiserslautern soll Rüdiger Rehm auf dem Radar haben"; "Wir hatten das Thema bereits länger auf dem Radar"; "Angeblich soll ihn das FBI auf dem Radar gehabt haben, aber irgendwie haben die Behörden keinen Zusammenhang hergestellt"; "12 wichtige Marketingkennzahlen, die Sie auf dem Radar haben sollten ..."; "Als Folge wird die Abgeordnete wohl weiter auf dem Radar des Verfassungsschutzes erscheinen" umgangssprachlich; Das Radar dient der Erkennung und Ortung auf der Basis elektromagnetischer Wellen, die ausgesendet und von den Objekten reflektiert werden. Es wurde etwa seit dem 2. Weltkrieg zur Ortung von Flugzeugen eingesetzt. Die redensartliche Anwendung im übertragenen Sinn erfolgte jedoch offenbar erst um die Jahrtausendwende. Ein früher schriftlicher Beleg findet sich im Magazin "Der Spiegel" aus dem Jahr 2000: "Auch 'Boys Don't Cry', ein Low-Budget-Film, der vor seinem Start auf dem Radar Hollywoods gar nicht aufgetaucht war, kann sich gute Chancen auf mehrere Oscar-Nominierungen ausrechnen" (Nr. 5, S. 222). Siehe auch "etwas auf dem Schirm haben
ein Satz mit x (, das war wohl nix)! 
ÜS4
die Hoffnung / Erwartung wurde nicht erfüllt; das Vorhaben konnte nicht realisiert werden "Bewertung: Ein Satz mit x"; "Ein Satz mit X. Leider kommt es immer mal wieder vor, dass schöne Projekte nicht realisiert werden"; "Mangels Wind werden die Segel bald wieder geborgen - war wohl ein Satz mit x"; "Satz mit x. Das war wohl nix. Groß angekündigt, konnte der erste Parteitag der Rechtspartei 'Die Freiheit' schlussendlich doch nicht stattfinden"; "Ich hatte gehofft, wir steigen aus und habe daher leider nur zwei Fotos aus dem Bus geschossen. Ein Satz mit X - das war wohl nix"; "Ein Satz mit X - das war wohl nix: Die Landesliga-Begegnung zwischen dem VfL Freiendiez und der SG Bad Marienberg wurde gestern Abend beim Halbzeitstand von 0:0 abgebrochen" umgangssprachlich, salopp; Die scherzhafte Redewendung wird bei einem Scheitern oder einer Enttäuschung benutzt. Dabei kann der Nebensatz weggelassen werden, sodass man ihn sich "hinzudenken" muss. Die orthographisch falsche Schreibweise "nix" statt "nichts" ist außerhalb von Dokumenten relativ üblich und trägt hier den scherzhaften Charakter. In den vorgefundenen schriftlichen Dokumenten (Zeitungen ab 1990) wird das "X" etwa zu gleichen Anteilen groß- und kleingeschrieben.
Der erste schriftliche Beleg stammt aus dem Roman "Die kunstvolle Arbeit der Verführung" von Ernst Alexander Rauter (1981). In einer Rezension des Werkes im Magazin "Der Spiegel" wird der Satz als "neudeutsch" charakterisiert (Nr. 20, S. 210, "Besitzerfreuden, Besitzängste") 
eine Lachplatte 
ÜS2
1. ein schlechter Witz; ein lächerlicher Mensch; eine lächerliche / skandalöse Angelegenheit
2. eine Scheibe Brot mit heimlich vergorener Marmelade als Alkoholquelle 
"Manchmal ist es eine absolute Lachplatte, was die Barkeeper zusammenmixen"; "Die Entschädigung ist für Justizopfer Wörz eine 'Lachplatte'"; "Ich finde es eine Lachplatte, dass der Support hier nach Lust und Laune komplette Accounts sperren kann"; "Im Prinzip ist das irgendwo 'ne Lachplatte: Leute, die über Jahrzehnte die Macht hatten und die Leute gegeißelt haben – und dann so milde Urteile!"; "Diese Schuhe sind eine einzige Lachplatte. Hobbitlatschen. Sehen aus wie die Schwimmhäute einer Stockente"; "Der Mann ist eine Lachplatte vor dem Herrn und Hochmut kommt vor dem Fall!" umgangssprachlich, selten; 2: Knastsprache (Klaus Laubenthal: Lexikon der Knastsprache); Früher gab es Schellackplatten, in denen mit Musik untermaltes Gelächter zu hören war. Auch Schallplatten, in denen Witze erzählt wurden (heute würde man sagen: Comedy), wurden vereinzelt Lachplatte genannt. Vermutlich ist dies der Ursprung des Ausdruckes 
etwas abreißen 
ÜS5
etwas (möglichst schnell) ableisten / hinter sich bringen / erledigen; eine Arbeit ohne Engagement absolvieren; einen Dienst verrichten "Bevor ich 1967 nach Berlin kam, habe ich meinen Dienst bei der Bundeswehr abgerissen"; "100 km kann ein halbwegs Fitter mit dem Rad in 3 Stunden abreißen"; "Er lernt zwei Mädchen aus Taiwan kennen, die ihr Touri-Programm in acht Stunden abreißen"; "Nachdem sie ihren Dienst in Nordafrika abgerissen haben, werden Militärarzt Dino Barran (Alain Delon) und der amerikanische Legionär Franz Propp (Charles Bronson) aus Staatsdiensten entlassen" umgangssprachlich, salopp; Im eigentlichen Sinne bedeutet "abreißen" abbrechen, niederreißen, gewaltsam abtrennen. Die bildliche Übertragung auf die hier genannte Bedeutung könnte dadurch geprägt sein, dass man die Ableistung eines Dienstes vom Ende her denkt: Die lästige Arbeit ist endlich beendet, sodass man sich innerlich von ihr trennen (sie abreißen) kann. Früher sagte man auch von Personen, die sich absondern: sie reißen sich ab (Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz, 1773 bis 1858). Das Wörterbuch der Brüder Grimm (1852, []) schreibt entsprechend: "sich abreiszen, losreiszen: ich arbeite zu viel, musz mich abreiszen". Küpper [] dagegen geht von der Nebenbedeutung "abnutzen, verschleißen" aus 
Public Viewing 
ÜS7
öffentliche Liveübertragung von Sportveranstaltungen auf Großbildleinwänden "Wie wird das Wetter heute zum Public Viewing der Fußball-EM beim Spiel Deutschland - Polen?"; "Der Countdown läuft für das Public Viewing zur Fußball-Europameisterschaft in der Detmolder Innenstadt"; "Zum zweiten Spiel der deutschen Nationalmannschaft war auch dieses Mal Public Viewing in Stuttgart angesagt: Die Fans trafen sich im Mash im Bosch-Areal"; "Bereits eine Stunde vor Spielbeginn sind die Plätze direkt vor der Leinwand in der Public-Viewing-Arena beim 'Baracoa' besetzt" Der Begriff hat sich insbesondere während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 eingebürgert. Es handelt sich um eine Entlehnung aus dem Englischen (public = öffentlich; viewing = ansehen, anschauen), wobei die Bedeutung im englischen Sprachraum weiter gefasst ist und allgemein alle Ereignisse bezeichnet, bei denen es öffentlich etwas zu sehen gibt. Für das Anschauen auf Großbildschirm wird dort eher der Begriff "public screening" verwendet 

Sprichwort des Tages:

Was lange währt, wird (endlich) gut

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