| REDENSART |
ERLÄUTERUNG |
BEISPIELE |
ERGÄNZUNGEN |
| | öffentlich über die Fehler und Missetaten anderer Leute reden; im Streit private Dinge des Gegners bekannt machen | "Wie groß ist Ihre Sorge, dass jetzt in der Öffentlichkeit schmutzige Wäsche gewaschen wird?"; "Niemand kann sich künftig gegen die Scheidung wehren mit dem Argument, der andere sei schuld. Auch nicht, wenn der andere Ehegatte eine neue Partnerin hat. Das Verschuldensprinzip ist abgeschafft; vor Gericht muss also keine schmutzige Wäsche mehr gewaschen werden" | Im Mittelalter trafen sich die Frauen des Orts einmal wöchentlich an der Dorfquelle, um ihre Wäsche zu waschen. Dabei wurde ausgiebig über die Fehler und Missetaten der nicht Anwesenden gesprochen (Hinweis eines Nutzers) |
| schmutzige Wäsche waschen |
DD:  LEO:      | | | eine erfahrene / raffinierte / gerissene / gewiefte / durchtriebene / ausgebuffte / schlaue / hinterhältige Person | | umgangssprachlich; teils verächtlich, teils bewundernd; Zur Herkunft gibt es unterschiedliche Deutungen (im Folgenden Hinweise von Nutzern): 1. Im Mittelalter wurden Betrüger mit dem Einschlitzen der Ohren bestraft 2. Kommt ursprünglich aus der Zunft der Zimmerleute, die auf Wanderschaft waren. Hatte ein Zimmermannsgeselle grob gegen Regeln verstoßen oder ist sogar straffällig geworden, so wurde ihm der Ohrring ausgerissen. Somit waren weitere Arbeitgeber oder Meister gewarnt. Der Ohrring, den alle Zimmermannsgesellen trugen, war der einzig angesparte Reichtum, mit dem das spätere Begräbnis bezahlt werden sollte |
| ein Schlitzohr |
DD:  LEO:      | | | eine Lösung für ein Problem suchen; ein hohes Ziel verfolgen; etwas Unrealistisches anstreben | "Hat unsere Wissensgesellschaft mit E-Learning den Stein der Weisen gefunden?"; "Die 'Nachhaltigkeit' gilt in Öko-Kreisen als der Stein der Weisen. Inzwischen wird der Begriff nachhaltig kritisiert"; "Die Hawks haben mit Newble und Terry noch nicht den Stein der Weisen gefunden und die Suche nach einem guten Backcourt-Spieler dürfte auch nach dieser Saison weitergehen"; "Nicht jeder Laie kann alles verstehen, das ist in der Informatik genauso wie im Patentrecht. Ich beklage das auch nicht. Ich will nur nicht, daß der Spieß umgedreht und so getan wird, als ob quelloffene Software der Stein der Weisen gegen das zunehmende Expertenwesen sei"; "Tad James erhebt in diesem 'Märchen' für Erwachsene (und Kinder) tatsächlich den Anspruch, dass jeder Mensch seine eigene Zukunft so erzeugen und erschaffen kann, wie man es sich immer erträumt hat. Wenngleich das wie nach dem berühmten 'Stein der Weisen' klingt, so macht James doch sehr schnell klar, dass dahinter keine mystische Theorie, sondern vielmehr ein recht einfaches und durchführbares Vorgehen steckt" | Der Stein der Weisen war in der Vorstellung mittelalterlicher Alchimisten ein Wunderstein, der Metall in Gold verwandeln kann |
| den Stein der Weisen suchen |
DD:  LEO:      | | | 1. Viel Bewegung ist gesund 2. Engagement ist wichtig 3. Wer viel arbeitet, bekommt auch viel | 1. "Sich regen bringt Segen - eine wichtige und richtige Weisheit. Denn durch Bewegung werden vermehrt die Nährstoffe im Körper verbrannt und die Muskeln gezielt trainiert"; "'Sich regen bringt Segen': Jede Aktivität ist gut und wichtig und kommt letzten Endes den Aktiven zu Gute" 2. "Sich regen bringt Segen: Der Druck der 'Straße' hatte Erfolg"; "Der Arbeitskreis Christen und Ökologie in der Ökologisch-Demokratischen Partei (ödp) beteiligt sich an dem in diesen Tagen in Berlin stattfindenden Ökumenischen Kirchentag. Unter dem Motto 'Sich regen bringt Segen' ruft er zu bürgerschaftlichem Engagement auf und stellt sich auf dem Markt der Möglichkeiten - der Agora - auf dem Messegelände in Halle 4.1 Stand A18 vor" 3. "Fast jeder von uns würde doch sagen: 'Ich hab ja schließlich auch genügend geschuftet. Ich hab mich Tag und Nacht geplagt, um dieses bisschen Wohlstand zusammenzubekommen. Keine Ruhe hab‘ ich mir gegönnt und Tag und Nacht dem Geschäft gewidmet. Jetzt ist's nicht mehr als recht, dass ich die Früchte meiner Arbeit auch genießen möchte. - Schließlich sind es ja auch meine Früchte!' Die meisten von uns argumentieren doch so und unsere Gesellschaft gibt uns ja auch unumwunden recht. Leistung muss sich eben wieder lohnen! Und nur sich regen bringt Segen. Natürlich gehört dem Fleißigen die Welt" | Das Sprichwort ist kann als eine Anlehnung an die protestantisch-calvinistische Gotteslehre, wonach der Fleißige von Gott belohnt wird, verstanden werden. Diese in der frühen Neuzeit aufgetauchte Interpretation der (christlichen) Gnade Gottes steht im Gegensatz zu der mittelalterlichen Annahme, dass ein gottgefälliges Leben sich durch häufiges Beten und anderes "Reinwaschen" von menschlichen Sünden kennzeichnet. Die neue Denkweise geht vielmehr davon aus, dass derjenige von Gott geliebt und daher gesegnet ist, der sich bemüht, das Beste aus jeder Situation zu machen - insbesondere auch wirtschaftlich - und eben nicht nur in der Kirche zu sitzen und zu beten. Die protestantisch-calvinistische Lehre, die sich in diesem Sprichwort wiederfindet, ist die Grundlage für die heutige wirtschaftlich-kapitalistische Idee, dass Investition zu Gewinn führt (Hinweis eines Nutzers) |
| Sich regen bringt Segen |
DD:  LEO:      | | | Das Gegenteil ist richtig! | | umgangssprachlich; Im Mittelalter wurden Schuhe im Gegensatz zu heute auf links genäht. Diese mussten erst umgekrempelt werden, "damit ein Schuh draus wurde" |
| Umgekehrt / Anders / Andersrum wird ein Schuh daraus / draus! |
DD:  LEO:      | | | einen Schaden angerichtet / einen Streich gespielt / eine Dummheit angestellt / gegen ein Verbot verstoßen haben | "Du bist ja so still! Hast du etwas ausgefressen?" | umgangssprachlich; meist auf Kinder bezogen; Soll sich ursprünglich auf einen Hund oder eine Katze bezogen haben, die etwas zum Fressen gestohlen hatten. Erst später wurde die Redensart auf den Menschen übertragen und auf jugendliche Streiche bezogen. Andere vermuten einen Zusammenhang mit dem mittelalterlichen Rechtsbrauch der Hauswüstung: Bei Schuldnern wurden Menschen einquartiert, die zur Strafe den Vorrat aufaßen, bis der Schuldner zahlte oder das Haus verließ |
| etwas ausgefressen haben |
DD:  LEO:      | | | Lass mich in Ruhe! Das interessiert mich nicht! | | umgangssprachlich, Ausdruck von Überdruss / Ablehnung; Als "Buckel" wurde im Mittelalter der rundliche Beschlag in der Mitte des Schildes verstanden. Die Redensart kann so interpretiert werden, dass während der Kämpfe verwundete oder tote Soldaten an der Rundung des Schildes des Gegners hinunterrutschten. Erst im 15. Jahrhundert nahm das Wort die heute geläufigen Bedeutungen (Rücken) an |
| Du kannst mir mal den Buckel runterrutschen! Rutsch mir doch den Buckel runter! |
DD:  LEO:      | | | gut vorbereitet / durchdacht / solide / vertrauenswürdig sein | "Deine Unternehmung hat Hand und Fuß - ich mache mit!"; "Das hat doch weder Hand noch Fuß!" | stammt aus dem Mittelalter. Der Ritter hatte Hand und Fuß, wenn die rechte Hand zum Schwert tragen geeignet war und der linke Fuß, um das Pferd zu besteigen (Hinweis eines Nutzers) |
| Hand und Fuß haben |
DD:  LEO:      | | | jemandem seine Grenzen aufzeigen; jemanden stoppen / zurechtweisen | "Randalierer muss man in die Schranken weisen!"; "In Zukunft werden wir Leute, die glauben, unser Forum als Streitarena missbrauchen zu müssen, durch Verwarnungen in die Schranken weisen"; "Ariel Scharon drohte Arafat gestern eine neue Blockade in Ramallah an, sollte dieser die palästinensischen Extremisten nicht in die Schranken weisen"; "Der Berchtesgadener wies zum Weltcup-Auftakt die Konkurrenz in die Schranken"; "Mit der Errichtung von hohen Schutzdämmen wurde dieser ehemals wilde Fluss in die Schranken gewiesen" | Beim mittelalterlichen Lanzenstechen (Tjost) sahen die Regeln vor, dass die Ritter in durch Schranken getrennte Kampfbahnen gegeneinander antraten. Man wies dem Ritter also die Schranken, um ihm zu zeigen, wo er ehrenhaft gegen den Gegner kämpfen durfte (Hinweis eines Nutzers) |
| jemanden in die / seine Schranken weisen / zurückweisen / verweisen |
DD:  LEO:      | | | jemanden verleumden / diffamieren / diskreditieren / verunglimpfen / in Verruf bringen | | umgangssprachlich, veraltet; Das Abschneiden der Ehre (= Verleumdung) war ein Tatbestand des mittelalterlichen Strafrechts |
| jemandem die Ehre abschneiden |
DD:  LEO:      |