SPRICHWORT

Über Geschmack lässt sich / kann man nicht streiten

BEDEUTUNG

Man sollte jedem seinen persönlichen Sinn für das Schöne zubilligen; Es ist vergeblich, eine Diskussion über Vorlieben / Stilgefühle / ästhetische Empfindungen zu führen, da solche persönlichen und emotionalen Fragen für sachliche Argumente nicht zugänglich sind

ERGÄNZUNGEN

Sprichwort; Oft findet sich auch der gegenteilige Spruch "Über Geschmack lässt sich streiten", der von der gleichen Prämisse ausgeht, nämlich dass jeder seinen eigenen Geschmack hat. Da Geschmack subjektiv ist, kann man sich so schön drüber streiten, auch wenn man den anderen nicht überzeugen kann, denn schließlich kann man seinen Geschmack nicht "beweisen". Allerdings kann man wohl aber Gründe anführen und seinen Geschmack durch Kultivierung verbessern. Der Philosoph Immanuel Kant hat sich zu dem Sprichwort geäußert und unterschiedet dabei zwischen "streiten" und "disputieren" (= durch Beweise entscheiden): "über den Geschmack lässt sich nicht disputieren. Das heißt so viel, als: Der Bestimmungsgrund eines Geschmacksurteils mag zwar auch objektiv sein, aber er lässt sich nicht auf bestimmte Begriffe bringen; mithin kann über das Urteil selbst durch Beweise nichts entschieden werden, obgleich darüber gar wohl und mit Recht gestritten werden kann. (...) Man sieht leicht, dass (...) ein Satz fehlt, der zwar nicht sprichwörtlich im Umlaufe, aber doch in jedermanns Sinne enthalten ist, nämlich: über den Geschmack lässt sich streiten (obgleich nicht disputieren)" (Kritik der Urteilskraft, 1790). Streng genommen ist der Satz "Über Geschmack lässt sich nicht streiten" demnach falsch, das Sprichwort meint nur: Streiten ist wohl möglich, da aber eine Entscheidung nicht herbeigeführt werden kann, wird das Streiten selbst unsinnig. Es wird vor allem dann angeführt, wenn man in Diskussionen über Geschmacksfragen schlichten oder sie beenden will.
Oft wird der Spruch auf Latein angeführt: "de gus­ti­bus non est dis­pu­tan­dum", er stammt aber nicht aus der Antike. Die lateinische Version findet sich zuerst in dem Buch "Gastrosophie" von Friedrich Christian Eugen Baron von Vaerst (1851, S. 280), doch bereits 1825 hatte der französische Philosoph und Gastronomiekritiker Jean Anthelme Brillat-Savarin die spanische Version benutzt (Physiologie du goût, S. 90, in der deutschen Version von 1885 auf Latein in der Fußnote)
 
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