REDENSART

auf dem Kien sein

BEDEUTUNG

aufpassen; wachsam / fähig / aufmerksam sein; sich zu helfen wissen

BEISPIELE

"In der ersten Zeit wird das Zeug bei dir nicht gleichmäßig werden, aber du bist ja auf dem Kien!"; "Wenn man auf dem Kien war und ein bisschen organisieren konnte, gab's keine Stillstandszeiten. Ein Betrieb kann nicht stillstehen, nur weil was fehlt"; "Dass sie auch motorsportlich auf dem Kien sind, zeigen die Ergebnisse der sächsischen Landesmeisterschaft im Kfz-Veteranensport"; "In einer Stadt mit so vielen Arbeitslosen musste man auf dem Kien sein und bei allen Gelegenheiten sofort zugreifen"

ERGÄNZUNGEN

umgangssprachlich, selten / veraltend, Berlin;

Als "Kien" bezeichnet man Holz, insbesondere der Kiefer. Die Kiefer selbst wurde früher als auch als "Kienbaum" bezeichnet (Grimm [], Kienbaum). Viele kennen den Kienspan, ein Holzspan, meist aus harzreichem Kiefernholz, der zur Erzeugung von Licht oder zum Anmachen des Feuers verwendet wurde. Die Redensart ließe sich also so herleiten, dass man auf den glimmenden bzw. leicht entzündlichen Kienspan besonders aufpassen musste (Duden Band 11 [], Kien).

Es gibt aber auch andere Deutungen. So gibt es das englische "keen", das u. a. "scharfsinnig, eifrig, leidenschaftlich" bedeutet. Und schließlich das jiddische "kiwen" (aufmerksam) (Röhrich [], Kien; Pfeifer [], Kien).

Eine heute ungebräuchliche Variante ist "etwas / jemanden auf dem Kien haben" (scharf, argwöhnisch beobachten; es auf etwas / jemanden abgesehen haben) (vergleiche Jugend (Wochenschrift), München 1926, Nr. 46, S. 928, Sp. 3, Fragen an den Zeitgeist; Kladderadatsch, Berlin 22.07.1923, Nr. 29, S. 2 (S. 464), So oder so!; Küpper [], Kien 3, 4). In Wörterbüchern findet sich noch eine andere, alte Bedeutung von "auf dem Kien sein", nämlich "Glück haben, auf seinen Vorteil bedacht sein", was auf französisch "le quine" (Glückstreffer in der Lotterie) zurückgehen soll (Lutz Mackensen: Zitate, Redensarten, Sprichwörter, 2. Aufl., 1981/85 Verlag Werner Dausien, Hanau, S. 45, Nr. 417; Küpper [], Kien 5).

Die Redensart wurde im 19. Jahrhundert geläufig, der früheste schriftliche Beleg lässt sich im Jahr 1904 finden (Vorwärts, Tagesausgabe, Nr. 280, 29.11.1904, S. 11, Sp. 1, Berlin und Umgegend). Bekannt gemacht hat sie auch das Lied der Schöneberger Sängerknaben (1948): "Berliner Jungens, die sind richtig, Berliner Jungs sind auf dem Kien, mit keinem Sechser in der Tasche, da sagen se kess, wat kost' Berlin"
 
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