SPRICHWORT

Wer einen Sumpf trockenlegen will, darf nicht die Frösche fragen; Wer einen Teich austrocknen will, sollte nicht die Frösche fragen

BEDEUTUNG

Wer Missstände beseitigen will, darf nicht diejenigen um Einverständnis bitten, die von diesen Missständen profitieren

BEISPIELE

"Wenn Du einen Sumpf austrocknen willst, dann solltest Du nicht die Frösche fragen – ausgerechnet Röslers Ministerium bestätigt, es gäbe keine Altersarmut"; "Wenn man einen Sumpf trockenlegen will, darf man nicht die Frösche fragen. Klar, dass sich die Besitzstandswahrer gegen eine Kürzung ihrer Bezüge aussprechen"; "Aber es heißt doch auch, man sollte nicht die Frösche fragen, wenn man einen Sumpf trockenlegen wolle? Dieses Bild ist manchmal hilfreich. Wenn in einer Organisation heimlich ungerechtfertigte Privilegien und Bequemlichkeiten geschaffen wurden, bedarf es starker Führung, um diese wieder zu beseitigen"

ERGÄNZUNGEN

Sprichwort, Teich: selten; Diesen Spruch nannte 1995 Erwin Huber, Leiter der bayerischen Staatskanzlei. Er äußerte sich dabei zu den Plänen, die ARD abzuschaffen (und unterstellte damit, dass es sich bei der ARD um einen "Sumpf" handele). Seitdem wird er gern von Politikern benutzt (z. B. Friedrich Merz 2003, Wolfgang Schäuble 2010). Während "Teich" neutral konnotiert ist, gilt der "Sumpf" als Synonym für moralischen Verfall, unhaltbare Zustände oder korrupte Machenschaften.
Huber ist jedoch nicht Urheber des Sprichwortes. Die Angaben zur Herkunft sind jedoch widersprüchlich. In einem ersten Hinweis von 1855 wird der Spruch dem antiken Dichter Aristophanes (450/444 - um 380 v. Chr.) zugeschrieben (Eduard Stolle: Die einheimische und ausländische Patentgesetzgebung, S. 14). 1870/71 verarbeitet Eduard von Bauernfeld das Sprichwort in einem Gedicht: "Ein schlammiger Teich wird trocken gelegt, / Die Frösche quaken und klagen; / Doch wer Verbesserungsprojecte hegt, / Wer wird darum die Frösche fragen?"
Glaubt man allerdings dem Wochenmagazin "Die Zeit", handelt es sich um ein altes chinesisches Sprichwort (1998, 29, "Ade, Universitas"). Siehe auch "ein Sumpf"
 
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