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REDENSART BEDEUTUNG BEISPIELE ERGÄNZUNGEN
wichsen 1. onanieren S ; masturbieren S
2. mit Wachs o. ä. einreiben; polieren; glänzend reiben
3. schlagen S ; verprügeln S  
1. "Wichsen deine Freunde? Nein? Klar, jeder macht es!"; "Habt ihr euch schon mal von jemandem beim Wichsen helfen lassen?"; "Mit 14 habe ich angefangen zu wichsen"; "Wichs dir einen!"; "Im Büro wird nicht gewichst!"; "Riecht man das, wenn einer gewichst hat?"; "Plötzlich packte sie meinen Penis und begann ihn zu wichsen. Das tat gut. Ich beruhigte mich. Aber sie wichste und wichste nur und nahm ihn partout nicht in den Mund"; "Ist es schlimm, wenn ich jeden Tag ein oder zwei Mal wichse?" umgangssprachlich, 1. derb, 2,3. veraltet; Das Verb "wichsen" und das entsprechende Substantiv "Wichse" hatten früher etliche Bedeutungen, die aber heute durch die Bedeutung "onanieren, masturbieren" bzw. "Sperma, Ejakulat" nahezu vollständig verdrängt worden sind. Diese Verdrängung hat wohl seine Ursache darin, dass die als salopp oder gar derb empfundenen Bedeutungsinhalte auch die alten, ehemals normalsprachlichen Bedeutungen tabuisiert hat. Das ist insofern bemerkenswert, als dass viele Menschen den Eindruck haben, dass unsere Sprache derbe Wörter zunehmend enttabuisiert, wie wir es - durch Umdeutungen bzw. Konnotationsverschiebungen - bei "schwul" oder "geil" erlebt haben. Bei "Wichse" und "wichsen" haben wir es dagegen mit einer umgekehrten Entwicklung zu tun, denn diese Wörter waren in ihren alten Bedeutungen früher weit verbreitet und einer normal- oder umgangssprachlichen Stilebene zuzuordnen.

Auszugehen ist zunächst von "wichsen" im Sinne von "Wachs auftragen" (früher daher auch: wächsen), das seit dem 15. Jahrhundert nachzuweisen ist (Pfeifer [], Kluge [], Grimm []). Das bezog sich nicht nur auf Wachs, sondern auf die verschiedensten Putzmittel, Lederpflegemittel und Polierpasten. Das Wörterbuch von Krünitz (Oekonomische Encyklopädie, 1773-1858) führt eine ganze Reihe von Wichsen auf, von der fettigen, wässrigen, seifenhaltigen Wichse, der englischen Glanzwichse bis zur Zucker-, Eiweiß- und Gummiwichse. Insbesondere war jedoch die Schuhwichse gemeint, mit der man Schuhe "wichsen", also einschmieren, polieren und blank reiben konnte. "Wichsen" bezog sich jedoch nicht nur auf Schuhe und sonstiges Leder - so konnte man z. B. auch ein Seil wichsen, also mit Wachs o. ä. überziehen, um es zu glätten (Krünitz). Man konnte auch seinen "Schnurrbart wichsen", also mit Pomade oder heißem Wachs bestreichen und spitz ausdrehen (Grimm [], Ernst Martin u. a.: Wörterbuch der elsässischen Mundarten, 1899-1907).

Aus dieser Grundbedeutung entwickelten sich in der Umgangssprache weitere Bedeutungen. Aus der Studentensprache des 18. Jahrhunderts stammt der "Wichs" (siehe auch "sich in Wichs werfen / schmeißen"), der das studentische Galakleid, später auch allgemein eine festliche, vornehme Kleidung bezeichnete. Sie leitet sich ab aus wichsen = polieren, glänzend machen. So konnte man sich auch "herauswichsen" bzw. "aufwichsen", sich also herausputzen und schön kleiden.

Eine weitere, ebenfalls im 18. Jahrhundert entstandene Bedeutung in den "niedrigen Sprecharten" (Adelung) bezog sich auf Prügel (siehe auch "eine gewichst kriegen", "Wichse kriegen"). Das liegt insofern nahe, als dass auch andere umgangssprachliche Ausdrücke für "verprügeln, ohrfeigen" an der Grundbedeutung von "wichsen" angelehnt sind: "jemandem eine schmieren", "die Fresse polieren", "eine Abreibung verpassen" u. a. Kluge [] leitet die Bedeutung "wichsen" (auch verwichsen, abwichsen, durchwichsen, eine wichsen = ohrfeigen) für "prügeln" daraus ab, dass auch Putzmittel mit einem Schlag aufgetragen wird und andererseits ein Schlag als etwas aufgefasst wird, bei dem "etwas hängen bleibt". Im 19. Jahrhundert wurde die Doppeldeutigkeit auch in der Werbesprache scherzhaft genutzt - so ließ ein Berliner Schuhcremefabrikant auf sein Schild zwei Jungen malen, die sich rauften, und darüber den Schriftzug: "Hier gibt's Wichse" (Dr. C. F. Trachsel: Glossarium der Berlinischen Wörter und Redensarten, 1873, S. 64). Eine schöne Zusammenstellung liefert Wander [], der darauf hinweist, dass die deutsche Sprache zur "Bezeichnung des Trinkens über den Durst eine Menge, den verschiedenen Berufsarten entlehnte Redensarten besitzt, so hat sie deren auch für die Function des Durchprügelns. Die Gerber thun dabei nichts, als einem das Fell gerben; einen ordentlich durchwalken. Die Bauern dreschen durch. Die Gärtner sagen: Er hat gewaltige Rettiche bekommen. Der Doctor hat einen mit einer guten Dosis ungebrannter Asche curirt. Der Musikant hat einem den Marsch geblasen oder hat einem eins aus dem ff aufgespielt. Der Schneider hat einem seine Rocknähte ordentlich ausgebügelt oder einem sein Collet tüchtig ausgeklopft. Der Schuster hat einen gehörig versohlt oder einen gründlich durchgewichst."

Ebenfalls gut ableitbar ist die heute dominierende Bedeutung "wichsen" = onanieren (19. Jahrhundert, Küpper []) bzw. "Wichse" = Sperma, wenn man an das Hin- und Herreiben beim Schuheputzen oder die Konsistenz von Schuhcreme denkt. Dabei wird das Verb auch reflexiv verwendet (sich einen wichsen). Der subversive Charme der sexuellen Anspielung wurde - wenn auch stark verhüllend - schon in der Werbung genutzt: So wurde das Speiseeis der Marke "Nogger" in den 1980er Jahren mit dem Slogan beworben: "Nogger dir einen!" (Siehe auch "Wichs dir einen").

Weiterhin haben sich in Umgangssprache und regionalen Mundarten eine ganze Fülle weiterer Anwendungen ergeben, die heute allesamt veraltet sind und hier nur in Stichpunkten aufgeführt werden sollen:
- beim Spiel schlagen, besiegen (Luxemburger Wörterbuch, 1950-1977);
- tadeln (Grimm []);
- (z. B. Essen) spendieren, auftischen (Grimm []); aufwichsen = reichlich auftragen, vorsetzen (Schweizer Idiotikon; Campe: Wörterbuch der deutschen Sprache, 5. Theil, 1811, S. 607);
- schnell und angestrengt arbeiten (Luxemburger WB);
- quietschen schreien, kreischen (Schweizer Idiotikon);
- sich den Magen verderben (Ernst Christmann u.a.: Pfälzisches Wörterbuch, 1965-1998 );
- tüchtig essen (Michael Ferdinand Follmann: Wörterbuch der deutsch-lothringischen Mundarten, 1909);
- lärmen, poltern (Josef Müller u. a.: Rheinisches Wörterbuch; 1928-1971);
- (Geld) verschwenden, zahlen (Rheinisches Wörterbuch; Röhrich []);
- eine Frau schwängern (Roland Mulch: Südhessisches Wörterbuch);
- koitieren (Küpper []);
- sich betrinken (Küpper []);
- gewichst sein = gewitzt, schlau, durchtrieben (Grimm [], Kluge [] u. a.)

Zu den Bedeutungen von "Wichse" siehe auch "Wichse

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